24. Juni 2016 Ärzte ohne Grenzen verzichtet auf EU-Gelder

Die international agierende Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen setzt als Reaktion auf Europas Flüchtlingspolitik ab jetzt noch verstärkter auf private Spendeneinnahmen. Hier auf Musik Bewegt könnt ihr die wichtige Nothilfearbeit der Organisation unterstützen.

Es soll ein Zeichen gegen die „Abschottungspolitik" der EU sein: Die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Organisation Ärzte ohne Grenzen, die sich schon jetzt zu 92 Prozent aus Privatspenden finanziert, wird keine Gelder mehr bei Institutionen der Europäischen Union, EU-Mitgliedsstaaten (darunter Deutschland) und Norwegen beantragen.

Der „Türkei-Deal“ sei kein Erfolg, wie die deutsche Regierung behaupte, sondern versuche nur, Notleidende aus Europa fernzuhalten: „Wir sehen in unseren Projekten jeden Tag, welches Leid die aktuelle EU-Politik verursacht“, begründet Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland, die Entscheidung. „Die verheerenden Auswirkungen der EU-Abschottungspolitik für Menschen auf der Flucht, besonders für verletzliche Gruppen wie Schwangere, Kinder und unbegleitete Minderjährige, erleben unsere Teams täglich – in Europa, an dessen Außengrenzen und bis in die Herkunftsländer hinein“, so Westphal.

Drei Monate nach Inkrafttreten des EU-Türkei-Abkommens sitzen als direkte Folge mehr als 8.000 Schutzsuchende auf den griechischen Inseln fest. Darunter sind Hunderte unbegleitete Minderjährige und viele Familien, die vor den Kriegen in Syrien, Irak und Afghanistan geflohen sind. Sie werden unter völlig unzureichenden Bedingungen oft monatelang in überfüllten Lagern festgehalten und müssen mit der Abschiebung in die Türkei rechnen.

Durch die Entscheidung, keine öffentlichen Gelder mehr bei der EU und Norwegen zu beantragen, verzichtet das internationale Netzwerk auf Finanzierungen in Höhe von rund 50 Millionen Euro jährlich. Im Jahr 2015 belief sich die Summe der institutionellen Förderungen in Deutschland auf 3,9 Mio Euro; das sind 3,1% der Gesamteinnahmen.

Ärzte ohne Grenzen leistet derzeit Hilfe für Flüchtlinge und Vertriebene in mehr als 40 Ländern (darunter Griechenland, Serbien, Frankreich und Italien) sowie auf drei Rettungsschiffen im Mittelmeer. Das internationale Netzwerk verfolgt das Ziel, Menschen in Not ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, religiösen oder politischen Überzeugung medizinisch zu helfen und zugleich öffentlich auf ihre Lage aufmerksam zu machen.

Zurzeit leistet die Organisation wichtige Aufklärungsarbeit mit einer Ärzte ohne Grenzen-Wanderausstellung in deutschen Städten (unter anderem in Köln und Frankfurt am Main). Besucher können sich von ehrenamtlichen Helfern über ihren Einsatz berichten, und in einem aufgebauten Hilfscamp anschaulich erklären lassen, wie Nothilfe-Projekte vor Ort umgesetzt werden.

 

 

In den vergangenen 18 Monaten haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen etwa 200.000 Flüchtende in Europa behandelt. Die Hilfe in Europa wird bereits ausschließlich aus Privatspenden finanziert.

Schließt Euch Bonaparte, der Band Die ÄrztePierre Baigorry und Herbert Grönemeyer an und sorgt dafür, dass die Ärzte ohne Grenzen auch weiterhin tatkräftige humanitäre Hilfe leisten können: aerzte-ohne-grenzen-dort-sein-wo-die-not-am-groessten-ist.

 

Bilderinformationen:
Header Guinea: Eine Patientin kann das Ebola-Behandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen gesund verlassen. © Sylvain Cherkaoui/Cosmos
1. Tschad: Fieber messen im Rahmen der Untersuchung auf Malaria. © Sebastian Bolesch
2. ©Juan Carlos Tomasi
3. Irak: Untersuchung eines Kindes im syrischen Flüchtlingslager in Domiz. © Gabrielle Klein/MSF



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