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1. November 2017 Ein Interview mit ChildFund über die Arbeit in der Urkaine und die Energie von Musik.

Dr. Bohdan Androshchuk arbeitet für den Verein ChildFund Deutschland, der sich weltweit für notleidende, vom Krieg betroffene und benachteiligte Kinder einsetzt. Als Programmkoordinator ist Herr Androshchuk für die Länder Ukraine und Moldau bei ChildFund Deutschland zuständig. 



Musik Bewegt: Was ist die Kernaufgabe von ChildFund?

Dr. Bohdan Androshchuk:

ChildFund Deutschland wurde 1978 in Nürtingen bei Stuttgart gegründet. Wir sind Mitglied der ChildFund Alliance, einem internationalen Netzwerk aus 11 Kinderhilfswerken. Aktuell arbeiten wir in 58 Ländern aktiv. Eines davon ist die Ukraine: Dort engagieren wir uns bereits seit 15 Jahren für Sozialwaisen und krebskranke Kinder.  Seit Beginn der militärischen Auseinandersetzung im Jahr 2014 sind wir zusätzlich aktiv im Einsatz für Binnenflüchtlinge und unterstützen die junge ukrainische Zivilgesellschaft in ihrem Aufbau.

Musik Bewegt: Wie kamen Sie zu ChildFund?

Dr. Bohdan Androshchuk:

Der Weg zu ChildFund war aus meiner Sicht schon irgendwie im „Himmel“ vorprogrammiert. Von 2006 bis 2009 engagierte ich mich als Ehrenamtlicher für den Aufbau und die Entwicklung einer Kooperation zwischen dem Ukrainischen und Deutschen Roten Kreuz in der Stadt Luzk, der Hauptstadt des Gebietes Wolhynien im westlichen Teil der Ukraine, wo ChildFund seit 2010 krebskranke Kinder fördert. In Deutschland wohne ich seit 2009, habe hier promoviert, noch einmal studiert, verschiedene Praktika gemacht, Jobs ausgeübt und mich für ukrainische Belange in Deutschland ehrenamtlich engagiert. Egal wo ich beruflich oder zivilgesellschaftlich unterwegs war, hatte ich ständig einen Ukraine- bzw. Osteuropa-Bezug. 2015 ergab sich eine Gelegenheit, ein kleines Ukraine-Projekt für ChildFund zu implementieren. Im Zuge der Arbeit bei ChildFund ließ ich mich mit der Philosophie und der Arbeitskultur der Organisation anstecken, die nationale und internationale Kinder- und Jugend-Projekte in der ganzen Welt fördert und versucht, Netzwerke um Kinder willen zu bilden. Das ChildFund Umfeld bündelt alle meine Erfahrungen, mein Wissen und Können und hilft mir somit, die Welt besser, freundlicher und nachhaltiger mit Kindern und für sie zu machen.

Musik Bewegt: Was bewegt Sie besonders an Ihrer Arbeit? Gibt es ein besonderes Erlebnis oder einen Schlüsselmoment, der Sie besonders motiviert hat und immer noch motiviert?

Dr. Bohdan Androshchuk:

Gerade positive Veränderungen an Kindern, an ihrer Gesundheit, Lächeln in ihren Gesichtern und in Gesichtern ihrer Eltern bewegen mich an meiner Arbeit. Ich erinnere mich oft an eine Frau, die ein 14-jähriges an Zerebralparese erkranktes Mädchen alleine erzieht. Einmal erzählte sie mir mit voller Freude, dass sich dank unserem Projekt nicht nur die Gesundheit des Mädchens verbessert, sondern dass es auch Freunde gefunden hat, aufgeschlossener und selbstsicherer wurde. Der Zustand ihrer rechten vorher kaum funktionierenden Hand verbesserte sich, weil das Mädchen dank dem Projekt ein neues Hobby begonnen hat: Es knetet Teig und backt Brötchen für seine Mutter. Solche persönlichen Geschichten und Freude über positive Entwicklungen bewegen mich am meisten. Oder wenn Kinder, die in relativ bescheidenen Verhältnissen wohnen, im Rahmen der Projekte ihre Potentiale entdecken, nach Hause kommen und ihren Eltern mitteilen, dass sie nun für sie etwas kochen wollen oder sich nun für einen Beruf entschieden haben, oder sagen, dass sie wissen, was sie aus ihrem Leben machen möchten. Das beflügelt Eltern und macht sie glücklich und uns auch. Positive Veränderungen an Kindern und ihren Schicksalen können, glaube ich, keinem Menschen gleichgültig sein. 

Musik Bewegt: Worin liegen die größten Herausforderungen bei Ihrer Arbeit in der Ukraine?

Dr. Bohdan Androshchuk:

Nach den Angaben der UNICEF und des ukrainischen Ministeriums für Soziales wurden 240.000 Kinder in Folge der russischen Annexion der Halbinsel Krim und des Krieges in den Gebieten Donezk und Luhansk vertrieben. Viele Kinder wurden im Krieg geboren oder sind während des Krieges groß geworden und kennen kaum Leben ohne Krieg oder ohne seine Folgen. Wichtig ist es, mit diesen Kindern zu arbeiten, sie wieder ins tägliche Leben zu integrieren und bessere Entwicklungs- und Bildungschancen für sie zu schaffen, weil der Krieg ihnen die Chance geraubt hat, Kinder zu sein, ihre Potentiale zu entfalten und gesund zu bleiben.

Die größte Herausforderung ist, dass wir so vielen Kindern begegnen, denen wir nicht immer helfen können. Wenn man vom Projektmanagement spricht, dann fehlen noch vielen ukrainischen NRO im Bereich Kinder- und Jugendarbeit fachliche Knowhows, Managementwissen, innovative und kreative Ideen und Fachkräfte sowie Ressourcen. Immens viele Organisationen, die seit 2014 entstanden sind, leben von Projekt zu Projekt und können keine strategischen Zukunftsperspektiven für sich schaffen. Zu einer weiteren Herausforderung gehört eine mangelnde Koordinierung der Arbeit sowohl ukrainischer als auch internationaler humanitärer und entwicklungspolitischer Organisationen.

Musik Bewegt: Was kann ich konkret im Alltag tun, um die Arbeit von ChildFund und die Menschen in der Ukraine zu unterstützen?

Dr. Bohdan Androshchuk:

Folgen Sie unseren Spendenaufrufen, um gezielte Hilfe für Kinder in der Ukraine zu leisten und die Arbeit von ChildFund Deutschland zu unterstützen. Kinder sind unsere Zukunft und brauchen unsere Aufmerksamkeit. Nicht unbedingt in Form von Geschenken oder Essen, sondern in Form fairer Chancen auf eine bessere Zukunft. Denn es ist einfach, Kindern Süßigkeiten zu schenken, aber äußerst herausfordernd, sich für ihre nachhaltige Entwicklung zu engagieren. Wir von ChildFund setzen uns dafür jeden Tag ein. Bitte helft uns mit einer Spende dabei.

Musik Bewegt: Musik bewegt – was bedeutet das für Sie persönlich?

Dr. Bohdan Androshchuk:

Musik bewegt, weil sie die Sprache ist, die jeder versteht und der jeder folgen kann. Ohne Musik gäbe es nicht die großartige Kommunikation, ohne sie würden wir wenig Verständnis füreinander und wenig Dialog miteinander haben. Sie aktiviert bei mir einem Standby-Modus, den wir alle ab und zu brauchen, damit wir uns in der Komplexität dieser Welt und in der Beschleunigung ihrer Ereignisse orientieren können. Musik gehört für mich zu einer der mächtigsten und unerschöpflichsten Energiequellen. Ich ziehe meine Energie vor allem aus dem Stück „Die Melodie“ des ukrainischen Komponisten Myroslav Skoryk.

EURE SPENDE FÜR KINDER VON KRIEGSFLÜCHTLINGEN IN DER UKRAINE

Die Orsons unterstützen das Projekt von ChildFund über Musik Bewegt. TUA liegt das Projekt besonders am Herzen, weil seine Familie aus der Ukraine stammt. Hier kannst Du mit Deiner Spende helfen


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