© Operndorf Afrika

16. Juni 2016 Erfolgreich abgeschlossene Projektfinanzierung für Christoph Schlingensiefs Operndorf Afrika

Dank der vielen kleinen und großen Spenden über Musik Bewegt konnte ein weiteres Herzensprojekt – „Von Afrika lernen“ – des  2010 verstorbenen Regisseurs und Visionärs Christoph Schlingensief in Burkina Faso erfolgreich umgesetzt werden.

125 Mädchen und 125 Jungen in fünf Klassen wurde durch Eure Unterstützung im vergangenen Jahr in der Operndorf-Schule unweit von Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou ein umfangreiches Kulturprogramm geboten, welches entscheidend zur Weiterentwicklung der Schüler sowie der teilnehmenden Residenzkünstler beigetragen hat. Das Kulturprogramm verfolgt den Schwerpunkt, die künstlerische Ausrichtung der Grundschule durch ein extra-schulisches Angebot in Form von Kunst- und Musikunterricht, einer Theatergruppe, durch eine Filmklasse und wechselnde Workshops mit etablierten Künstlern zu ergänzen. Obwohl die Schule für die Kinder kostenlos ist, wird hier ein alternatives, ganzheitliches Konzept geboten, das den Anteil der Kunsteinheiten in Absprache mit dem burkinischen Bildungsministerium erhöht und die Verbindung von Kunst und Leben sowie den Austausch unterschiedlicher Kulturen, die sich Christoph Schlingensief für das Operndorf wünschte, zelebriert.

In diesem Schuljahr wurden vielfältige Projekte geboren: Märchenlesungen, Filmabende, Theatergastspiele und Konzerte fanden statt, die sich nicht nur an die Schüler, sondern auch an die lokale Bevölkerung richteten. Die Künstler Cosima Jentzsch und Tobias Dostal lebten für einige Monate im Operndorf. Sie führten die Schüler an verschiedene künstlerische Techniken heran und zeigten ihnen, wie sie kreativ damit experimentieren können. Cosima Jentzsch zeigt sich begeistert: „Über knapp vier Monate kamen hier wöchentlich ca. einhundert Kinder zu mir ins Atelier. Egal ob gezeichnet, gebaut, plastiziert, gespielt, gesungen oder getanzt wurde, sie waren immer voll bei der Sache.“

Von Tobias Dostal erlernten die Mädchen und Jungen Zauber- und Trickfilmtechniken bei einem Magie-Workshop, dessen Ergebnisse sie der Dorfgemeinschaft vorführten. In der Schule nutzten die Schüler Kameras, mit denen sie ihre Perspektive auf den Alltag in Burkina Faso einfingen. Darüber hinaus unternahmen sie Ausflüge zu befreundeten Kulturinstitutionen. Die deutsche Fotografin Marie Köhler gab Unterricht in Fotografie; sie selbst erlernte während ihrer Zeit im Operndorf wiederum die Muttersprache der meisten Schüler – Mooré.

Das Heranführen von Kindern und Jugendlichen an unterschiedliche Formen des kulturellen Ausdrucks wird von den Machern des Operndorfes als Möglichkeit gesehen, die Persönlichkeitsentwicklung der heranwachsenden Generation auf spielerische und kreative Weise zu fördern. Ziel ist es, neben dem normalen Schulprogramm die Kreativität zu schulen, und durch die gezielte Anleitung durch Künstler und Theaterpädagogen Reflexionsprozesse zu wichtigen Themen aus der Lebensrealität der Kinder und Jugendlichen anzustoßen. So studierten die Schüler dieses Jahr ein Theaterstück zum selbst gewählten Thema „Zwangsverheiratung“ ein und führten dieses ihren Familien vor.

Im Frühjahr 2016 machte das Molue Mobile Museum of Contemporary Art dann halt im Operndorf. Auf seinem Weg von Benin zur Biennale in Dakar stoppte der Museumsbus für zwei Tage in der Schule und realisierte eine Filmvorführung sowie kleinere Kunstaktionen, an denen auch Kinder aus der Nachbarschaft teilnehmen konnten.

Zurzeit nimmt die Schule an einem internationalen Kunstprojekt zur Fußball-EM teil und dokumentiert das eigene Fußballspiel filmisch – ein wunderbares Beispiel für den spielerisch-kreativen Sinn dieses Ortes, den Christoph Schlingensief so beschrieb: „Was im Operndorf passiert, ist viel schöner anzusehen, als dieses abgehobene Zeug in der Kunstszene. Und was soll das für eine Kunst sein, die keinen Zugang mehr hat, keinen mehr rein lässt und die auch nicht aus sich herauskommt? Hier geht es darum, eine Kunstplattform zu finanzieren, die als Basis funktionieren soll für Kinder und Jugendliche. Damit wir wieder lernen, wie Kreativität entsteht und sich entwickelt. Das ist die Idee des Operndorfs.“

(Barteczko © 2015)

Aktuell läuft ein weiteres Spendenprojekt Gesundes Essen in der Schulkantine für das Operndorf Afrika über Musik Bewegt: Gemeinsam mit Herbert Grönememyer könnt Ihr Euch dafür einsetzen, dass sich die Schüler, die meist schon vor Unterrichtsbeginn morgens um halb acht ihre Familien bei der Landbewirtschaftung unterstützen, in der Mittagspause ausgewogen ernähren. 


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