6. Dezember 2019 „Fast alle wollen Frieden und hassen den Krieg“ – Im Gespräch mit dem Afghanischen Frauenverein

Herbert Grönemeyer sammelte gemeinsam mit seinen Fans während der „Tumult“-Tour Spenden für den Afghanischen Frauenverein. Die Vorsitzende des Vereins, Nadia Nashir, hat mit uns über die aktuelle Lage in Afghanistan und den geplanten Einsatz der Spenden gesprochen.  

Nadia Nashir beim Projektbesuch in Afghanistan 2019 im Dorf Qulab
© Afghanischer Frauenverein e.V.

MB: Herbert Grönemeyer hat im Rahmen seiner Tour für den Afghanischen Frauenverein Spenden gesammelt. Insgesamt sind rund 39.000 Euro zusammengekommen. Welche Bedeutung hat diese Unterstützung für den Verein?

 

Nadia Nashir: Die Unterstützung von Herbert Grönemeyer hilft uns sehr und wir sind überglücklich, dass er mit seinen Fans so viele Spenden sammeln konnte. Die gute Nachricht hat sich auch bei unseren Kolleginnen und Kollegen in Afghanistan schnell verbreitet. Die Schülerinnen, Lehrerinnen und Mitarbeiterinnen haben Briefe an Herbert Grönemeyer geschrieben, um sich persönlich zu bedanken. Der Zuspruch und die Wertschätzung, die wir dadurch für unsere Arbeit erfahren, bedeuten uns sehr viel. Es ist nicht nur ein wichtiges Zeichen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen viele ehrenamtlich für die Projekte arbeiten, sondern auch für unsere Schülerinnen und Schüler. Das gibt der jungen Generation in Afghanistan Hoffnung und macht ihr Mut.

 

MB: Wie ist die Situation für Mädchen und junge Frauen in Afghanistan?

 

Fast vier Jahrzehnte Krieg haben im Land eine große Zerstörung hinterlassen. Besonders in den ländlichen Regionen gibt es kaum eine Chance auf eine gute Bildung oder Ausbildung. Mädchen und Frauen sind dabei besonders benachteiligt. Mir ist es aber immer auch wichtig klarzustellen, dass Afghanistan nicht nur Krieg und Zerstörung ist. Ich erlebe dort auch eine starke Zivilgesellschaft. Fast alle wollen Frieden und hassen den Krieg. Ganz besonders die jungen Menschen. Sie wollen ihr Land dringend verändern und wissen, dass Bildung dabei eine ganz große Rolle spielt.

 

MB: Wie wird die junge Generation durch den Afghanischen Frauenverein unterstützt?

 

Die Kinder und Jugendlichen werden in ihrer Bildung durch den Bau von Schulen, Universitätsstipendien und Patenschaften unterstützt. Der Aufbau einer Schneiderei hilft den Frauen beispielsweise dabei, einer Ausbildung nachzugehen und ein Handwerk zu erlernen. Auch die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser, medizinischer Versorgung und Nothilfe gehört zu den Projekten des Afghanischen Frauenvereins.

 

MB: Was kann mit den Spenden, die auf der Tumult-Tour gesammelt wurden, vor Ort erreicht werden?  

 

Die Spenden fließen in den Bau einer Schule für 1000 Mädchen und Jungen in einem Randbezirk von Kabul. Mit den Spenden von Herbert Grönemeyer können bisher schon 80% des Bauvorhabens abgeschlossen werden. Auf dem 5000 qm großen Grundstück sind neben dem Hauptgebäude mit 24 Klassenräumen, diversen Büroräumen, einer Bibliothek und einem Labor auch ein Sportareal und ein Brunnen geplant. Da auch behinderte Schüler und Schülerinnen am Unterricht teilnehmen sollen, wurden die Zugänge zusätzlich rollstuhlgerecht angefertigt. Wenn alles weiterläuft wie bisher, kann die Schule Anfang Juli 2020 eröffnet werden.


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