© Benedikt Schnermann

21. September 2017 Musik Bewegt – Wie geht Haltung?

Wie können Musiker politisch Verantwortung zeigen? Wie wird soziales Engagement in der Öffentlichkeit wahrgenommen und wie schnell wird man als „Gutmensch" abgetan? Über diese Fragen haben wir heute mit Musikern und Mitarbeitern von Hilfsorganisationen auf dem Reeperbahn Festival debattiert.

Der Künstler Herbert Grönemeyer erklärte heute auf dem Panel, dass Musikmachen für ihn immer auch ein politischer Vorgang sei. „Ich komme aus der alten Rock 'n' Roll-Zeit aus den 60ern und 70ern, und Musik ist für mich bis heute politisch“, sagte er am Donnerstag in Hamburg. „Kunst ist dafür da, eine Gesellschaft aufzurütteln. Das ist unsere Aufgabe. Wir sind dafür da, die Leute zu verärgern und nervös zu machen.“

Der Soul-Sänger Fetsum, der als Flüchtlingskind nach Deutschland kam, ist der Meinung, dass man die Menschen am besten über Emotionen sensibilisieren und motivieren kann: „Die Themen sind so schwer, wenn wir versuchen, da intellektuell ranzugehen, werden wir scheitern. Wir brauchen die Emotionen. Wir müssen die Herzen öffnen“, erklärte Fetsum, der in diesem Sommer zum zweiten Mal gemeinsam mit Teddy Tewelde das Berliner Benefizfestival PxP organisierte. „Wir leben in einem Land, das Mauern und Grenzen erlebt hat, das ist nicht so lange her“. Deshalb erwarte er von Deutschland einen viel sensibleren Umgang beispielsweise mit der Flüchtlingsthematik.

Michael Schwickart von der Initiative Sea Watch, die sich der zivilen Seenotrettung von Flüchtlingen verschrieben hat, betonte, wie wichtig der Support von Künstlern sei. „Uns fehlt die Stimme nach außen“. Für viele Medien sei das Thema nicht mehr so interessant, umso wichtiger sei das Sprachrohr von Künstlern und Prominenten, die eine große Reichweite haben. Amadeus von der Oelsnitz, Vorstand und Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen (MSF), die weltweit medizinische Nothilfe in Krisen- und Kriegsgebieten leisten, sagte: "Herbert Grönemeyer nennt uns "Helden", aber ohne die "Helden-Spender" könnten wir unsere Arbeit nicht machen".

Zur Sprache kam auch, dass das Engagement von Künstlern manchmal belächelt und diese schnell mit dem Negativbegriff „Gutmensch“ betitelt würden. „Das ist auch der Grund, warum manche keine Haltung beziehen, weil sie so schnell auf die Fresse bekommen“, sagte Michael Fritz von der Trinkwasser-Initiative Viva Con Agua. Er interessiere sich nicht für solche Kritiker, sagte Grönemeyer. „Man kann sich nicht den Schneid abkaufen lassen von irgendwelchen Vollidioten“.

Und welche Verantwortung haben die Künstler? „Wir sollten unseren eigenen Hintern hochkriegen und versuchen, auch wieder stärker politisch in unseren Songs zu sein“, erklärte Grönemeyer. Und: „Wir müssen trommeln und die Leute motivieren, sich zu engagieren. Das ist unsere Aufgabe in dieser Kette von Menschen, die etwas verändern wollen“. Ganz nach dem Motto: Gemeinsam sind wir lauter!

Hier könnt Ihr das Panel nachhören:


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