© Musiker ohne Grenzen

1. Oktober 2017 Musik ist mehr als ein Sahnehäubchen!

MEUTE unterstützen die Organisation Musiker ohne Grenzen, die Menschen in weltweiten Projekten das Erlenen eines Instrumentes ermöglichen wollen. Zum internationalen Tag der Musik haben wir mit mit der Initiatorin Magdalena Abrams gesprochen. 



Musik Bewegt: Was ist die Kernaufgabe von Musiker ohne Grenzen?

Magdalena Abrams:

Musiker ohne Grenzen arbeitet daran, dass Zugang zu Musik „Grundnahrungsmittel“ ist und nicht „Sahnehäubchen“. Musiker ohne Grenzen möchte Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in weltweiten Projekten das Erlernen eines Instrumentes ermöglichen und durch die Kraft der Musik sozialen Wandel anstoßen.    

Musik Bewegt: Wie bist Du zu Musiker ohne Grenzen gekommen und welchen Aufgabenbereich übernimmst Du hier?

Magdalena Abrams:

Ich habe den Verein selbst gegründet, nachdem ich 1 ½ Jahre in einem sozialen Brennpunkt in Guayaquil, Ecuador eine Musikschule für Kinder und Jugendliche aufgebaut habe. Als ich anschließend vergeblich nach einer deutschen Institution (Verein/Organisation/Stiftung) suchte, welche die Musikschule in Ecuador mit Instrumentenspenden oder freiwilligen Lehrern unterstützen könnten, habe ich beschlossen, selbst einen solchen Verein zu gründen. So entstand die Idee von „Musiker ohne Grenzen e.V.“ In den ersten Jahren war ich lange im Vorstand. Heute – zehn Jahre nach der Vereinsgründung – bin ich zuständig für die Projektleitung eines der inzwischen acht Projekte, für die sich MoG engagiert.

Musik Bewegt: Was bewegt Dich besonders bei Deiner Arbeit? Gibt es ein besonderes Erlebnis oder einen Schlüsselmoment, der Dich besonders motiviert hat und immer noch motiviert?

Magdalena Abrams:

Tatsächlich gab es ein Schlüsselerlebnis, das mich sehr bewegt hat und bis heute motiviert. Dazu muss ich kurz den Zusammenhang erläutern:

Nachdem ich (damals während meines Freiwilligendienstes vor der Vereinsgründung) viele Monate in Ecuador verschiedene Musikinstrumente unterrichtet hatte,  stellte sich die Frage nach der Nachhaltigkeit dieser Musikschule. Wie könnte es weitergehen, wenn ich wieder nach Deutschland fliegen muss?

Da es keinerlei Mittel gab, um Lehrer vor Ort einzustellen,  blieb als einziger Weg: Selbstorganisation der Kinder und Jugendlichen in dem Musikprojekt. Dies bedeutete, dass die „fortgeschritteneren“ Schüler die Anfänger und neue Schüler unterrichten sollten. Die Bands und Ensembles, die wir bereits etabliert hatten, sollten autonom proben. Ein kleines Team aus Jugendlichen sollte die Organisation der Musikschule übernehmen. Das Ganze probierten wir in einem Experiment aus: Ich verließ das Viertel, begab mich auf eine mehrwöchige Reise, während die Kinder und Jugendlichen das Projekt selbstorganisiert weiterführen sollten.

Als ich zurückkam und fest damit rechnete, dass das Musikprojekt inzwischen im Sande verlaufen sei, wurde ich mit einem Konzert empfangen, welches die Gruppe auf die Beine gestellt hatte. Die Bands hatten neue Songs einstudiert und jeder Schüler spielte etwas vor, egal auf welchem musikalischen Stand er war.

In diesem Moment habe ich verstanden, dass diese jungen Menschen super motiviert sind. Sie sind bereit, Verantwortung für sich, die Gruppe und das Projekt zu übernehmen. In dem Moment habe ich mich entschieden, das Projekt so gut ich kann weiter zu unterstützen. Übrigens: Bis heute wird das Projekt von den Musikschülern vor Ort erfolgreich geführt und einige der Kinder von damals sind heute auch Lehrer in dieser Musikschule! 

Musik Bewegt: Worin liegen die größten Herausforderungen bei der Arbeit? Was ist den Kindern und Jugendlichen besonders wichtig, mit denen Du arbeitest?

Magdalena Abrams:

Der Verein „Musiker ohne Grenzen“ ist schneller gewachsen, als dass wir mit entsprechenden Vereinsstrukturen hinterherkommen konnten. Dies wurde uns klar, als wir schon nach kurzer Zeit mit vielen Projekte in verschiedenen Ländern zusammenarbeiteten. Wir Musiker sind einfach ein sehr begeisterungsfähiges Völkchen – wir haben Lust auf die musikalische Arbeit, die Begegnung mit den Menschen und nehmen hier schnell jede Herausforderung an.

Aber das allein reicht eben nicht, wie wir bitter erfahren haben. Wir brauchen auch (viel) Geld, nachhaltige Verwaltungsstrukturen und ziemlich viel „Know How“, um langfristig erfolgreich arbeiten zu können. Diese Strukturen professionell und nachhaltig aufzubauen ist für mich bis heute die größte Herausforderung. Und ich muss gestehen, dass ich selbst dieser Herausforderung nicht gewachsen bin und ziemlich sicher schon vor einigen Jahren das Handtuch geworfen hätte.

Aber zum Glück gab es bei Musiker ohne Grenzen zu dem Zeitpunkt schon Menschen, die sich auch diesen Herausforderungen stellen und das Projektmanagement beeindruckend weiterentwickeln.

Musik Bewegt: Was kann ich konkret im Alltag tun, um – mit oder ohne Musik – meine Perspektive zu wechseln und neue Perspektiven für andere Menschen zu schaffen?

Magdalena Abrams:

Wenn man – so wie unsere Freiwilligen – das Privileg hat, für eine Zeit im Ausland zu leben und zwar wirklich bei den Einheimischen z.B. in einer Gastfamilie, dann ermöglicht (bzw. erzwingt) dies einen krassen Perspektivwechsel; vorausgesetzt man ist bereit, die Dinge nicht stur durch seine „deutsche“ Brille zu sehen. Andersherum funktioniert es aber auch: Wenn man z.B. einen Austauschschüler oder ein Au-Pair bei sich in der Familie aufnimmt, einem Flüchtling den Ausbildungsplatz in seinem Betrieb anbietet oder das freie WG-Zimmer bewusst Menschen aus anderen Ländern vermietet, dann sind Perspektivwechsel kaum vermeidbar.

Aber man muss nicht zwingend über Ländergrenzen fliegen, um diese Erfahrungen zu machen. Wenn man es schafft, sich immer wieder bewusst zu machen, dass es keine objektive Wahrnehmung gibt und dass die eigene Perspektive nur eine mögliche von vielen Perspektiven ist, dann kann man in fast jeder Situation seine Perspektive wechseln. Ob es das Gespräch mit dem Nachbarn oder dem Kollegen ist, ob bei einem Elternabend in der Schule oder einer politischen Diskussion, ob in einer Orchesterprobe oder bei einem Fussballspiel...

Und vor allem schafft man es dann vielleicht etwas öfter, sich für andere Perspektiven zu öffnen, bevor man eine Situation oder einen Menschen bewertet. Dies kann wiederum für Menschen, die anders denken, Perspektiven schaffen. Leicht ist das aber nicht…es sei denn, man macht zusammen Musik!

Musik Bewegt: Musik bewegt – was bedeutet das für Dich persönlich?

Magdalena Abrams: 

Musik bewegt für mich mehr, als ich je zu hoffen gewagt hätte!

Unterstützt die Arbeit von Musiker ohne Grenzen in Jamaica und Ecuador jetzt mit einer Spende. 

Warum MEUTE sich für die Organisation stark macht, erfahrt Ihr hier:


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