© Sea Watch e.V.

10. Juli 2018 Seenotrettung ist kein Verbrechen! | Gemeinsames Engagement für SeenotretterInnen

Letztes Wochenende gingen tausende Menschen auf die Straßen. Sie demonstrieren gegen die Behörden und gegen die Kriminalisierung von Seenotrettung. Sie demonstrieren auch für mehr Humanität. Mission Lifeline, Jugend Rettet e.V. , SOS MEDITERRANEE e.V., Sea Watch e.V. – all diese privaten SeenotretterInnen wurden festgesetzt. Die Schiffe dürfen europäische Häfen nicht mehr verlassen.

Auf Musik Bewegt wollen wir gemeinsam mit vielen anderen Unterstützern dazu aufrufen die Arbeit der privaten SeenotretterInnen zu unterstützen. 100% der über Musik Bewegt gesammelten Spenden kommen bei dem Projekt an – ohne Abzug. 

Zurzeit befindet sich keine private Seenotrettung auf dem Mittelmeer. Hunderte Tote sind die stummen Zeugen der momentanen EU-Politik. Nachdem bereits mehrere Rettungsschiffe nicht oder nur nach tagelangem Warten in sicheren Häfen festmachen durften, werden private NGO-Schiffe am Auslaufen gehindert. Die neue Regierung in Rom verweigert NGO-Schiffen italienische Häfen anzusteuern. Italiens und Maltas Justiz haben private Rettungsboote konfisziert und machen ihren Besatzung den Prozess.

Die Sea Watch 3 darf seit einigen Tagen den Hafen von Valetta in Malta nicht verlassen. Das Seenotrettungsschiff der Organisationen SOS MEDITERRANEE und deren Partnerorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) wurde im Hafen von Marseille festgesetzt. Auch das Aufklärungsflugzeug "Moonbird" der Organisation Sea Watch e.V., dass für Such- und Rettungsmissionen eingesetzt wird, wurde festgesetzt. Dabei war das Flugzeug seit 2017 an der Bergung von 20.000 Menschen beteiligt. 

Wer Rettungskräfte behindert macht sich strafbar, niemand würde mit Absicht einen Krankenwagen blockieren – genau das passiert jedoch gerade: private Seenotrettungsschiffe werden blockiert, mit tödlichen Konsequenzen. Die Zahl von mehr als 600 Toten bedeutet, dass sich die Hälfte aller bisherigen Todesfälle im Jahr 2018 zu einer Zeit ereignete, als kein einziges NGO-Rettungsschiff im zentralen Mittelmeer aktiv war. Angesichts von mehr als 600 Todesfällen im Mittelmeer in den vergangenen vier Wochen kritisieren die Hilfsorganisationen SOS MEDITERRANEE und Ärzte ohne Grenzen die Behinderung der Seenotrettung durch europäische Regierungen. Unter den Ertrunkenen, deren Zahl von der Internationalen Organisation für Migration erfasst wird, befinden sich auch Babys und Kleinkinder. Die Mortalität ist im Juni auf Rekordhoch und steht in direktem Zusammenhang mit der Verhinderung von Seenotrettung.

 

Einer der Vorwürfe der gegen die privaten Seenotretter erhoben wird ist, dass die Rettungsschiffe selbst ein Anreiz für den Aufbruch der Flüchtlinge und Migranten seien. Und das scheint für viele Menschen eine gute Erklärung und Begründung für den Stopp zu sein. Es stimmt nur nicht. Warum jemand die riskante Fahrt wagt, lässt sich sicher nicht auf einen einzigen Grund herunterbrechen. Man kann die Sogwirkung und die Präsenz der privaten Rettungsschiffe schwer berechnen. Wenn man es aber realistisch einschätzt, sind die privaten Rettungsboote der NGOs sicher die unwichtigsten Anreize. "Man muss dafür nicht einmal die Studien von Experten lesen, von Wissenschaftlern der Universität Oxford etwa, die darauf hinweisen, dass es zwischen der Zahl der privaten Rettungsschiffe und der Zahl der Überfahrten keinen signifikanten Zusammenhang gibt. Es reicht, sich jene Jahre anzuschauen, in denen es im Mittelmeer kaum private Rettunger gab. Das Jahr 2014 zum Beispiel." (Quelle: DIE ZEIT, 11.07.2018)

 

"Dass europäische Regierungschefs die privaten Rettungsorganisationen als "Taxiservice" bezeichnen, dass Politiker wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder von "Asyltouristen" sprechen, wenn sie die Menschen und die Leichen meinen, die von diesen Schiffen nach Europa gebracht werden, dann ist das alles nicht nur eine Verrohung der Sprache und eine Verzerrung der Realität. Es ist elementarer Bestandteil einer Politik, die darauf zielt, möglichst laut gegen die Helfer zu hetzen – und nebenher möglichst geräuschlos den unappetitlichen Part der europäischen Migrationspolitik zu erledigen: die gewaltsame Abschottung der europäischen Außengrenzen." (DIE ZEIT, Caterina Lobenstein)

 

Seenotrettung ist überlebenswichtitg! Aus diesem Grund möchten wir dazu aufrufen, die Arbeit von Sea Watch e.V. und SOS Mediterranee auf Musik Bewegt zu unterstützen. 100% Eurer Spenden kommen an!

 


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