16. Oktober 2018 #stop10seconds: erfolgreich finanziert!

Weltweit stirbt alle zehn Sekunden ein Kind unter 5 Jahren an den Folgen von Hunger. Die Social-Media-Kampagne #Stop10Seconds hat auf die dramatische Situation aufmerksam gemacht und ein wichtiges Ziel erreicht: 10.000 Kinder konnten mit den eingegangenen Spenden vor dem Hungertod gerettet werden. Warum das großartig ist, es aber trotzdem noch viel zu tun gibt, erklärt Tim Rohde von UNICEF im Interview. 

Die UNICEF Kampagne "Stop 10 Seconds" hat viele tausende Menschen mobilisiert und zeigt, dass wir gemeinsam in der Lage sind, etwas zu verändern. Was hat die Kampagne bewirkt?

 

Mit „Stop 10 Seconds“ haben wir unser erstes Ziel erreicht: Mit den Spenden konnten im Südsudan in den letzten Wochen 10.000 Kinder vor dem Hungertod gerettet werden. Die positive Resonanz, mit der die Kampagne aufgenommen wurde, hat uns in der Form dann doch überrascht. Neben Mats Hummels, Angelique Kerber, Udo Lindenberg und Julian Draxler sind noch viele weitere Prominente aufgesprungen. Und es haben sich wirklich unheimlich viele private Unterstützer in den Sozialen Medien geäußert und mitgemacht. Das hat sehr dabei geholfen, ein breites Bewusstsein für die Situation im Südsudan zu schaffen. Wir danken allen, die die Kampagne unterstützt haben!

 

 

Einige der UnterstützerInnen für die UNICEF-Kampagne #STOP10SECONDS.
Bild: UNICEF

 

 

Wie wird den Kindern mit den Spenden vor Ort geholfen?

 

Im Südsudan hat UNICEF mehrere Gesundheits- und Ernährungszentren eingerichtet, in denen Eltern mit ihren mangelernährten Kindern Schutz und Hilfe finden. Dort werden die Kinder erst einmal untersucht. Viele der Kinder sind so sehr geschwächt, dass sie keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen können. Von den UNICEF-Teams erhalten sie dann erst einmal therapeutische Spezialnahrung, vor allem nährstoffreiche Erdnusspaste und Spezialmilch, die mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert sind. Die Behandlung wird über drei bis vier Wochen fortgesetzt. Wenn die Kinder stark genug sind, können die Eltern die Spezialnahrung auch mit nach Hause nehmen. Normalerweise sind die Kinder nach vier Wochen stabilisiert.

 

Am häufigsten sind Kinder unter fünf Jahren von Hunger betroffen. Warum?

 

Hunger betrifft leider immer besonders die Schwächsten. Ein kleines Kind im Alter von ein, zwei oder drei Jahren gerät schnell in einen kritischen Bereich. Hinzu kommt, dass in konfliktreichen Regionen wie dem Südsudan Frauen ihre Kinder häufig alleine großziehen müssen. Aufgrund der strukturellen Ungleichheiten haben sie aber häufig ganz einfach nicht die Mittel, um ihre Kinder ausreichend zu versorgen. Das führt im schlimmsten Fall zum Tod. Unterernährung beeinträchtigt Kinder aber auch in ihrer kognitiven und physischen Entwicklung unumkehrbar.

 

"In den letzten zwei bis drei Jahren steigt der Welthunger wieder an. Das UN-Ziel „Null Hunger“ ist damit konkret gefährdet."

Tim Rohde, UNICEF Deutschland, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Aktuell leiden 821 Millionen Menschen an Hunger. Das heißt jeder 9. Mensch hat dauerhaft nicht die erforderliche tägliche Nahrungsmenge zur Verfügung. Was bedeutet das für das UN-Ziel „Null Hunger“ bis 2030?

 

In den letzten zwei bis drei Jahren steigt der Welthunger wieder an. Das UN-Ziel „Null Hunger“ ist damit konkret gefährdet. Das hat auch Auswirkungen auf die anderen UN-Ziele wie etwa Gesundheit und Bildung für alle, weil Hunger eines der größten Entwicklungshemmnisse ist. In einem Land, in dem Hunger herrscht, sinkt die Produktivität, und es wird für Menschen immer schwieriger, sich aus eigener Kraft aus der Situation zu befreien. Es ist sehr alarmierend, dass die Kurve wieder nach oben geht. Grund dafür sind natürlich auch gewaltsame Konflikte, wie beispielsweise aktuell im Jemen, die Familien in die Not und in den Hunger treiben. Aber auch der menschengemachte Klimawandel und die damit verbundenen Dürren und Überschwemmungen spielen eine große Rolle.  

 

Was müssen wir tun, um das UN-Ziel zu erreichen?

 

Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Wir alle stehen hier vor einer riesigen Aufgabe. Ein erster Schritt ist es aber, ein breites Bewusstsein für die Welthungerlage zu schaffen – dies war ja auch eines der Ziele der Stop 10 Seconds-Kampagne. In den Krisenregionen ist erst einmal Nothilfe notwendig. Um die Spirale aus Hunger und Armut zu durchbrechen, sind allerdings auch langfristig ausgerichtete Maßnahmen notwendig – deshalb ist es für UNICEF sehr wichtig, beispielsweise Informationskampagnen in den betroffenen Regionen durchzuführen. Jede Spende hilft ungemein, denn UNICEF finanziert sich vollständig aus Spendeneinnahmen.

Wer etwas gegen den Hunger in der Welt tun will, sollte sich aber auch damit auseinandersetzen, woher die eigenen Lebensmittel kommen. Wir können uns besser informieren, faire und lokale Produkte kaufen und weniger Lebensmittel verschwenden. Auch das hilft, um den Kreislauf aus Ausbeutung, Armut und Hunger zu bekämpfen. 

 

WENN AUCH DU DIE ARBEIT VON UNICEF UNTERSTÜTZEN WILLST, KANNST DU DAS HIER TUN.


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