© Kevin McElvaney

11. Juni 2019 Zivile Seenotrettung unterstützen – was wir jetzt tun können

Menschen fliehen weiterhin jeden Tag aus Libyen über das Mittelmeer. An der Situation der zivilen Seenotrettung ändert das nichts. Seit Monaten wird ihre Arbeit aktiv behindert und zurzeit befindet sich kein einziges Rettungsschiff an der tödlichsten Grenze der Welt. Wir haben Jana Ciernioch von SOS MEDITERRANEE und Michael Schwickart von SEA WATCH gefragt, wie wir die Organisationen jetzt unterstützen können. 


© Kevin McElvaney

Am Montag haben Anwälte die EU wegen Menschenrechtsverstößen beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag angezeigt. Bringt das Bewegung in die Debatte um die zivile Seenotrettung?

Michael Schwickart: Jein. In Italien und im Rest der EU haben sich starke politische Kräfte zusammengetan, die eine strengere Asylpolitik verfolgen. Trotzdem macht es natürlich Mut, dass immer mehr Menschen klar Stellung beziehen. Der Druck auf die politischen Institutionen wächst. Auch der am Dienstag von der Evangelischen Kirche in Deutschland veröffentlichte Palermo-Appell ist eine gute Sache. Hier melden sich Politiker und auch die katholische Kirche zu Wort. Viele von ihnen haben sich bisher noch nicht so richtig aus der Deckung getraut. 

 

Worum geht es beim Palermo-Appell?

Michael Schwickart: Mit dem Palermo-Appell fordert der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschland, Bischof Heinrich Bedford-Strohm, eine staatliche Seenotrettung und das Ende der Kriminalisierung der Retter. Der Appell ist aber nicht nur Anklage, sondern auch Handlungsempfehlung und Lösungsansatz. Wir brauchen noch in diesem Sommer eine politische Notlösung und einen vorübergehenden Verteilmechanismus für Bootsflüchtlinge. Viele Städte und Kommunen in Europa sind bereit, „Sichere Häfen“ zu schaffen. Sie sollten dies auch in die Tat umsetzen können.

 

Wir brauchen also in erster Linie eine politische Entscheidung. Was können wir in der Zwischenzeit tun, um die Seenotrettung sinnvoll zu unterstützen?

Jana Ciernioch: Es ist wichtig, die Situation auf dem Mittelmeer immer wieder ins öffentliche Bewusstsein zu holen und den Druck auf die Entscheidungsträger zu erhöhen. Zudem helfen uns natürlich weiterhin auch Spenden ungemein, denn wir werden in erster Linie von der Zivilgesellschaft getragen. Wir sind gerade mit verschiedenen Reedereien im Gespräch und gehen davon aus, dass wir bald wieder auf See sind. In der Zwischenzeit haben wir Schulungen entwickelt, um unser Wissen aus 250 Rettungseinsätzen mit knapp 30.000 geretteten Menschen an andere Helfende weiterzugeben. In Extremsituationen muss einfach jeder Handgriff sitzen und die Massenrettung auf See mit Hunderten von Menschen wurde bislang nie in vollem Umfang analysiert und trainiert. Umso wichtiger ist es, dass wir dieses Wissen weitergeben können. Denn die Pflicht zur Seenotrettung gilt für jeden Kapitän und jede Kapitänin. Wer auf Menschen in Seenot trifft, muss Hilfe leisten. 

 

HIER KANNST DU DIE ARBEIT VON SOS MEDITERRANEE UND SEA WATCH UNTERSTÜTZEN


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